03. Februar 2026

Publikationen

Redakteurstreffen der DPolG – mein erster Blick hinter die Kulissen

Von Oliver Blanz, stellvertretender Vorsitzender der DPolG Rheinland-Pfalz und Redakteur des Polizeispiegels

Vom 25. bis 27. November war ich zum ersten Mal beim Redakteurstreffen der DPolG in Berlin. Redakteurinnen und Redakteure aus allen Landesverbänden und vom Bund kamen zusammen, um sich über die Mitgliederzeitschriften auszutauschen. Für mich als „Neuen“ war es spannend zu sehen, wie unterschiedlich die Strukturen sind und wie ähnlich viele Probleme trotzdem bleiben. Kleinere Landesverbände kämpfen oft mit den gleichen Themen, während große Verbände oder die Bundespolizei in Politik und Medien deutlich präsenter sind. 

Die Anreise war direkt der erste Stimmungstest. Bei mir lief mit der Deutschen Bahn tatsächlich alles reibungslos. Während ich mich über die pünktliche Verbindung wunderte, berichteten die Kollegen aus dem Saarland von einer Anfahrt, die wieder ziemlich genau dem Bild entsprach, das viele von der Bahn haben. Das gesamte Reisechaos einmal zum Mitnehmen. 

Ein echtes Highlight war der Besuch bei Welt TV am Axel-Springer-Platz. Wir konnten die Studios besichtigen, einen Blick hinter die Kulissen des Sendebetriebs werfen und an der Morgenkonferenz teilnehmen. Dort werden die Beiträge des Vortags offen diskutiert: Was war gut, was war zu kurz, was war überzogen und wo man nachlegen oder korrigieren muss. Diese Transparenz im Umgang mit der eigenen Arbeit fand ich bemerkenswert. 

In der Konferenz hatte auch Heiko Teggatz Gelegenheit, Punkte zu setzen, die für uns in der Polizei zentral sind. Er machte deutlich, welche Hintergründe man kennen muss, um Einsätze und Entscheidungen realistisch einzuordnen. Das passte gut zu den Diskussionen der Redaktion, die Themen und Formulierungen sehr kritisch hinterfragte. Ich habe mir dabei unwillkürlich die Frage gestellt, wie viel wir uns von dieser Offenheit abschauen könnten: etwa durch Lage- oder Frühbesprechungen, die für alle im Tagesgeschäft Beteiligten zugänglich sind, während Personalplanung und reine Führungsrunden bewusst im kleineren Kreis bleiben. 

Die Bundesleitung war zeitweise mit am Tisch. Rainer Wendt und Heiko Teggatz gaben einen Überblick über die aktuelle gewerkschaftspolitische Lage, den Fahrplan zum kommenden Bundeskongress und die anstehenden Tarifverhandlungen. Für mich war es hilfreich, diese Themen einmal in Ruhe und im Zusammenhang erklärt zu bekommen, statt sie nur punktuell über Mails oder Beschlüsse aufzufangen. 

Ein weiterer Schwerpunkt war der Besuch bei der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Die drei Buchstaben kennen alle, aber zu sehen, wie dort tatsächlich gearbeitet wird, ist etwas anderes. Hybrides Arbeiten ist selbstverständlich, Redaktionen und Dienste greifen eng ineinander. Besonders eindrücklich war, wie konsequent geprüft wird. Keine Pressemitteilung läuft einfach durch, auch nicht die der Polizei. Inhalte werden verifiziert, Einordnungen abgeklopft. Authentizität und fachliche Korrektheit zählen mehr als Geschwindigkeit. 

Gleichzeitig gab es einen Punkt, der mich wirklich nachdenklich gemacht hat. Die dpa-Kollegen berichteten, dass Journalistinnen und Journalisten immer häufiger Security benötigen, weil die Aggressivität ihnen gegenüber deutlich zugenommen hat. Die Schwelle, Sicherheitspersonal anzufordern, ist sehr niedrig geworden. Parallel dazu wurde die sichtbare Ausrüstung vieler Pressevertreter bewusst reduziert, um sie weniger angreifbar zu machen. Aus Schutzgedanken nachvollziehbar, für uns als Polizei aber problematisch: Wenn Presse nicht mehr klar als solche erkennbar ist, steigen die Risiken im Einsatz. Man will die Kolleginnen und Kollegen schützen und schafft dabei ungewollt neue Gefahrenlagen. 

Am meisten mitgenommen habe ich am Ende durch die Gespräche zwischendurch. Einfach zu hören, wie die anderen Verbände ihre Arbeit organisieren, wo sie festhängen, wo sie Rückenwind haben und wie ihr Standing in der Politik ist. Das war offen, teilweise überraschend und hat mir ein klareres Bild davon gegeben, wo wir als DPolG Rheinland-Pfalz im Vergleich stehen. 

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